Gelesen: In Teufels Küche – Ein Restaurantkritiker packt aus

Über Ostern habe ich das Buch „In Teufels Küche – Ein Restaurantkritiker packt aus“ von Jörg Zipprick verschlungen. Dieses Buch wurde ja sehr heiß diskutiert und ich stellte mir die Frage ob ich es überhaupt lesen sollte. Aber auf die Empfehlung von Ralf habe ich es dann doch getan und ich bin sehr froh darum. Es ist wirklich ein gutes Buch, welches eine sehr schöne Wandlung vollzieht. Der Traumberuf eines jeden Menschen der sich für Essen und Trinken in einem sehr großen Masse interessiert *hüstel* ist nun mal der Beruf des Restaurantkritikers. Jeden Tag tolles Essen, tollen Wein und immer nur vom Besten. Das war meine Vorstellung bevor ich dieses Buch gelesen habe. Es beschreibt sehr schön den romantischen Werdegang zum Restaurantkritiker der einem das Herz aufgehen lässt. Dann wird man Abrupt auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Mit den Wochen verliert dieser Job seinen Reiz, Genuss im Überfluss, Sechs-Gänge-Menüs Mittags und Abends. Die Kehrseite wird einem sehr schön vor Augen gehalten und man grübelt. Es ist schon schön wenn man häufiger so toll Essen könnte, aber zwei Mal täglich? Das wäre wirklich zu viel. Was überrascht einen dann noch? Was zaubert einem dann noch ein Lächeln auf das Gesicht?

Auch die Ansichten zum Reisen nach den Sternen haben mich grübeln lassen. Wie ehrlich ist das Alles? Wer hat da überall seine Finger drin? Kann man das überhaupt alles glauben? Es ist jetzt nicht so das ich den glorreichen Guides misstraue, aber es lässt einen schon nicht mehr alles so ohne weiteres glauben. Die Test sind Momentaufnahmen und auf keinen Fall eine Garantie. Man sollte sie, denke ich, als Leitfaden sehen, aber nicht als die Bibel! Am besten einfach selber Testen!

Nach diesen Erkenntnissen wird man dann in das Eiskalte Wasser der Zusatzstoffen- und Aromen-Problematik geworfen. Und das hat mir wirklich die Schuhe ausgezogen! Wenn man mal bewusst darüber nachdenkt was da passiert, ist das wirklich eine Sauerei! Natürlich darf man hier nicht alle über einen Kam scheren und auch nicht alles für bahre Münze nehmen was hier drin steht, aber man sollte gut darüber nachdenken und sich selber eine Meinung dazu bilden. Auf der einen Seite stehen die Fernsehköche und beten runter das Glutamat böse ist und auf der anderen Seite vertreiben Sie Produkte mit weis Gott was. Italienisch angehauchte Fernsehköchinnen halten dir im Fernsehen den alten luftgetrockneten Schinken unter die Nase und im Kühlregal grinst sie dich von der Pressschinkenverpackung an. Das kommt mir schon sehr scheinheilig vor.

Molekularküche ist gut und schön und ich habe auch schon das ein oder andere Kügelchen, welches innen flüssig und außen fest ist, probiert und war begeistert. Aber dann stell ich mir die Frage ob es mir das wirklich wert ist. Der Genuss auf der einen und die Aufnahme von Zusatzstoffen auf der anderen Seite. Ist das wirklich nötig? Ich bin mit mir noch nicht ganz einig ob ich das wirklich als solche Kunst ansehen sollte, wenn auf der ganze Welt die Molekularköche das gleiche Essen zaubern können weil sie alle den gleichen E-XXX Baukasten haben. Ist das noch kochen oder industriell produzierte Fertignahrung?

Ich werde mir das Thema noch länger durch den Kopf gehen lassen müssen und einfach noch mal ein paar Sachen ausprobieren. Dieses Buch kann ich wirklich jedem Empfehlen der mal die andere Seite der Medaille sehen möchte. Ich sage nicht das ich alles Glaube was in diesem Buch steht und einiges davon muss man wirklich hinterfragen. Aber wenn alleine die Hälfte davon stimmt, dann ist das wirklich eine Geschichte die einem zu denken geben sollte. Bildet euch selber eine Meinung, ich fand es eine wirkliche Bereicherung. Nicht jede Aussage wird mit Beweisen belegt, was man dem Autor durch aus ankreiden kann, aber für mich steckten genug Belege an der ein oder anderen Stelle um das zu Glauben.

Gestern habe ich noch ein Deutschland-Radio Interview mit dem Autor gefunden:
Das gibt es hier: [Deutschland Radio]

 

Und hier noch der letzte Satz aus dem Buch mit dem ich dann auch hier schließen möchte:

„Nicht alle Menschen sagen die Wahrheit, nur weil sie eine weiße Weste tragen.“

 

Viel Spaß beim lesen und schreibt mal wie es euch gefallen hat.

 

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1 Kommentar zu "Gelesen: In Teufels Küche - Ein Restaurantkritiker packt aus"

  • comment-avatar
    Malte 23. Mai 2011 (14:31)

    Der Facebook Gefaellt mir Button wuerde sich gut im Blog machen, oder finde ich ihn nur nicht?

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