Große Lagen und Große Weine aus Rheinhessen – Mit dem Winzer durch den Weinberg

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Zu meiner Reise nach Rheinhessen hätte ich mir keinen besseren Zeitpunkt als den Herbst aussuchen können. Die Weinberge zeigten ihre volle Farbenpracht und das Licht und die Stimmung waren traumhaft. Der Großteil der Trauben war schon geerntet, aber einige Stöcke waren noch bestückt. Aus ihnen werden wohl noch sehr besondere Weine reifen. Ich war sehr gespannt, welch wunderbare Tropfen mich hier erwarten würden.

Rheinhessen ist die größte Weinanbauregion Deutschlands. Das war mir im Vorfeld überhaupt nicht bewusst. Ich bin viele Kilometer durch diese wunderbare Landschaft gefahren, die sehr stark von Weinbergen dominiert wird und somit ein ganz besonderes Flair hat. Die gesamte Anbaufläche beläuft sich auf 26.617 Hektar und beinhaltet 23 Groß- und 414 Einzellagen. Gerade die Letzteren interessierten mich sehr und ich war fasziniert davon, was mir die Winzer aus ihren besonderen Lagen präsentierten.

Der Wein aus Rheinhessen hat eine sehr lange Geschichte, die von vielen Erfolgen geprägt ist. Einer der europaweit bekanntesten Weine war Anfang des 19. Jahrhunderts die Liebfraumilch. Dies war die Blütezeit, denn die Liebfraumilch wurde sogar im englischen Königshaus genossen. Dann aber, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, hat das Image dieser Weinanbauregion leider sehr gelitten, da anstelle auf Qualität auf Quantität gesetzt wurde. Außerdem kamen noch Änderungen im Weinlagengesetz hinzu, die diese Problematik noch weiter verstärkt haben. Zusätzlich wurde die Qualität der Weine nur anhand des Zuckergehaltes bemessen und nicht zum Beispiel nach der Herkunft. Also wurde nur noch auf Masse produziert und das mit dem geringsten Einsatz und hohem Zuckergehalt.

Seit fast 15 Jahren befindet sich die Region in einem massiven Umbruch. Die Winzer legen ihren Fokus auf viele kleine Einzellagen aus denen sie ihre Weine machen. Hier spielt besonders das Terroir eine große Rolle. Dabei handelt es sich um die natürlichen Faktoren, die dem Wein seine charakteristischen Eigenschaften verleihen und den Geschmack sehr stark beeinflussen können. Dazu zählt besonders stark welchen Boden und welches Klima die Rebe im Weinberg vorfindet. Sehr wichtig ist, dass der Winzer diese einzelnen Lagen mit ihren besonderen Einflüssen auch zu einzelnen Weinen keltert. Gerade dann kann man in der Querverkostung beeindruckende Unterschiede im Geschmack feststellen obwohl es sich um die exakt gleiche Rebsorte handelt. Die Winzer haben dadurch natürlich sehr viel mehr Arbeit in allen Bereichen der Weinherstellung. Und diese beginnt ja bekanntlich schon im Weinberg. Bei jedem Weinberg sind die Voraussetzungen andere, jeder muss anders behandelt werden. Von Produktion und Vermarktung ist es eigentlich einfacher, einen Wein in großer Stückzahl zu produzieren als jede Lage einzeln. Zusätzlich will der Endverbraucher natürlich in jedem Jahrgang einen ähnlichen Wein haben. Der Verschnitt vieler Weinberge mit der gleichen Rebe zu einem Wein ist für die Aromenkomposition viel einfacher. Aber gerade hier findet auch ein Umdenken beim Verbraucher statt. Er ist fasziniert von der Vielfalt die auf einmal entsteht und ist gespannt, wie die verschiedenen Jahrgänge entwickelt wurden.

Ich fand es sehr bemerkenswert, wie die Winzer mit dieser Aufgabe umgegangen sind und welch große Stückzahl an unterschiedlichen Weinen sie hier präsentiert haben. Denn nicht nur das Terroir hat hier einen großen Einfluss, sondern auch ganz besonders das Wetter. Gerade mit diesem sehr großen Einflussfaktor erfolgreich zu arbeiten beeindruckt mich an diesem Handwerk so sehr.

Die Winzer suchen sich auch gezielt Lagen um ihr besonderes Terroir zu erhalten. Hierfür nehmen sie enorme Arbeit und Mühen auf sich. Viele alte Weinberge, besonders die in den steileren Lagen, wurden damals einfach von Winzern aufgegeben. Sie sind komplett verwildert und überwuchert. In ihnen findet man sogar noch die alten Drahtanlagen mit Hölzern. Gerade in den Jahren in denen es um Quantität ging, waren diese Weinberge unwirtschaftlich und wurden sich selbst überlassen. Und nun nehmen sich die Winzer gezielt dieser alten Lagen an und legen mit immensem Aufwand wieder neue Weinberge an. Sie sehen das Besondere in diesen Lagen.

Besonders interessant für diverse Rebsorten und das Aroma, das sie entwickeln, sind karge mineralische Böden wie z.B. Porphyr und Rotliegend. Gerade in den Weißweinen hat man sehr schön die Unterschiede der Böden geschmeckt, der Riesling hat hier unglaublich gut seine Herkunft widergespiegelt.

Welcher immenser Aufwand im Weinberg betrieben wird, hat mir Daniel Wagner vom VDP-Weingut Wagner-Stempel aus Siefersheim gezeigt. Er betreibt das Weingut seit 1992 und ist seit 2004 Mitglied im VDP. Als ich in die Lage Heerkretz gefahren bin, habe ich ihn dort zufällig dabei getroffen, wie er Heu in die Steillagen ausgebracht hat. Dies ist nötig, damit der Regen die Böden nicht abträgt und somit den Weinberg zerstört. Eigentlich wollten wir uns im Weingut treffen und ich war sehr froh, ihn in seinem Weinberg gefunden zu haben. Er nahm sich spontan fast eine Stunde Zeit und ist mit mir durch die Weinberge gewandert, hat mir alles gezeigt und viel erklärt. Über die Probleme die der Weinbau vor 20 Jahren hatte, über seine Philosophie und was er alles unternimmt, um seinen Wein so besonders zu machen.

Er zeigte mir die Weinberge, die er zukünftig wieder herstellen möchte. Neben den Flächen die wieder Weinberge werden sollen oder geworden sind, hält er auf Grünflächen Schafe. Alles wird ökologisch bewirtschaftet. Natürlich ist dies ein immenser Mehraufwand, aber für die Qualität, die man dadurch erlangt, lohnt es sich. Die Lage Heerkretz, durch die wir gewandert sind, ist eine „Große Lage“. Eine Große Lage ist eine Klassifizierung der VDP, in der Weine allererster Güte produziert werden.

Ein weiterer ganz besonderer seiner Weine ist der Riesling aus dem Weinberg EMT. Die Flaschen dieses Weines aus diesem einzelnen Weinberg kommen nicht in den Verkauf, sondern werden zur jährlichen VDP-Versteigerung nach Bad Kreuznach gebracht. Im letzten Jahr wurde hier ein Flaschenpreis von 110 Euro erzielt.

Aber in der Lage Heerkretz gibt es nicht nur Weißweine. Dort steht auch ein Weinberg mit Spätburgunder. Auch hier wird sich in Kürze etwas tun. Daniel Wagner ist kurz davor diesen Weinberg auch zu einer Großen Lage auszubauen. Hierfür muss man eine Vertikale von Weinen aus diesem Weinberg aus fünf auf einander folgenden Jahrgängen einem Gremium präsentieren. Diese Vertikale muss natürlich in jedem Jahrgang nach den Vorgaben für eine Große Lage produziert worden sein. Durch das Verkosten der Vertikale sieht die Jury das Potenzial dieser Weine und kann dann die Lage zu einer Großen Lage machen. Den Spätburgunder, den ich verkosten durfte, hat mir sehr gut gefallen.

In meinem nächsten Beitrag nehme ich euch noch zu zwei weiteren Winzern aus Rheinhessen mit und auch zum Thema Essen habe ich noch ein paar sehr schöne Dinge erlebt. Seid also gespannt!

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Dieser Artikel ist nach einer Pressereise für die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH entstanden. Auf Inhalt des Artikels wurde kein Einfluß genommen.

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