Kulinarische Spurensuche in Rheinhessen, Orange Wines und zwei große Weinbergslagen

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Im zweiten Teil nehme ich euch zum nächsten Ziel meiner Reise mit. Hierzu muss ich gerade einmal 8 Kilometer weit fahren und zwar nach Flonheim. Dort beziehe ich mein Nachtquartier im Espenhof.

Es ist ein wunderschönes Weingut mitten im Ort mit angeschlossenem Landhotel und einer Weinwirtschaft. Zum Abendessen leistet mir über den Abend verteilt die ganze Familie, die diesen Betrieb leitet, Gesellschaft. Es ist faszinierend wie unterschiedlich die Themen zustande kamen über die ich mich mit jedem einzelnen unterhalten habe. Mit dem Senior ging es viel um die Geschichte des Weingutes und die Entwicklung die er selber, aber auch ganz Rheinhessen erlebt hat. So erfuhr ich, dass er 1975 den Bauernhof übernommen und ihn zu einem Weingut umgebaut hat. Flonheim hat sich seither zu einem starken Touristenmagnet entwickelt. In dem kleinen Ort gibt es viele Hotels und Ferienwohnungen und ganz besonders gut gekennzeichnete Wanderrouten.

Das Wandern durch die Weinberge ist ein echtes Erlebnis. Ich habe sie extra am nächsten Morgen noch erkundet und die wunderschöne Natur genossen. Ganz besonders fasziniert hat mich die Lage „La Roche“. Aus ihr kommen Spitzenweine. Mitten im Weinberg habe ich dann auch noch ein echtes Weinberghäuschen gefunden. Diese kannte ich bisher nur von Fotos und ich war sehr begeistert eines „in echt“ zu sehen. Auch hier stand der Weinberg in voller Farbenpracht und in der „La Roche“ habe ich sogar noch Riesling-Trauben an den Stöcken hängen sehen. Die „La Roche“ ist übrigens eine Steillage und bedeutet übersetzt „der Fels“.

Als nächsten Gast an meinem Tisch konnte ich Nico Espenschied begrüßen. Er ist seit 2012 im Unternehmen und kümmert sich federführend um das Weingut und die Weine. Zu dem Weingut  gehören circa 30 ha, die ökologisch bewirtschaftet werden. Auf dieser Fläche werden über 30 verschiedene Weine produziert. Neben den Spitzenweinen aus den Toplagen wie der „La Roche“, habe ich mich besonders lange mit ihm über Orange Wines unterhalten – ein Thema das ich unheimlich spannend finde. Primär geht es dabei um Weißweine die wie Rotweine ausgebaut werden. Dabei werden die Trauben mit der Schale, also auf der Maische, vergoren. Hier geht es aber noch weiter und zwar schon in Richtung Naturwein. Bei dem ganzen Prozess der Weinherstellung wird auf Zusätze und aufwendige mechanische Verarbeitung verzichtet. So werden die Weine nicht gefiltert und nur teilweise ganz leicht geschwefelt. Sehr viel Handarbeit ist hier von Nöten, das beginnt schon im Weinberg. Ich habe einige dieser Weine probiert und sie haben mir sehr gut gefallen. Ganz besonders spannend finde ich, dass seine Orange Winesschon ein paar Jahrgänge älter und noch perfekt ausgewogen sind. Ich habe immer angenommen, dass diese Weine sehr instabil sind und relativ schnell getrunken werden müssen. Aber hier wurde ich eines Besseren belehrt. Es ist natürlich viel Knowhow, aber auch ein sehr sauberes Arbeiten von Nöten, um solche Weine so lagerfähig hinzubekommen. Für mich war danach der krönende Abschluss die Verkostung eines Petnats. Das ist quasi ein Orange Wine, aber als Sekt. Vor diesem Abend hatte ich noch nie davon gehört. Nico erzählte mir welche Schwierigkeiten noch einmal zusätzlich für die Herstellung eines Petnathinzukommen und ich war sofort begeistert.

Als letzten Gast habe ich Heike Espenschied an meinem Tisch begrüßt. Wir haben sehr viel über Kulinarisches gesprochen. So habe ich sie natürlich zu dem Menü ausgefragt, das ich zum Abendessen genossen hatte. Die Weinwirtschaft unterstützt die Idee von Slow Food und ist somit genau auf meiner Wellenlänge. Mein Highlight war die gebratene Blutwurst, aber auch das Lachstatar auf der Wassermelone ist eine geniale Kombination. Heike Espenschied habe ich dann auch noch nach ein paar klassisch rheinhessischen Rezepten gefragt. Sie sagte mir, dass dies gar nicht so einfach ist. In seiner Geschichte war Rheinhessen lange von anderen Kulturen besetzt und die Küche ist deswegen auch sehr stark von ihnen geprägt. Zwei Gerichte hat sie mir dann aber doch noch verraten können. Zum einen die „Backesgrumbeere“. Hierzu wird in einen Bräter Nacken und Bauchfleisch vom Schwein mit Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt. Danach wird es mit einer Sauce aus halb Milch und halb Wein aufgefüllt. Der Backes ist ein altes Backhaus mit Holzofen, das es früher in jedem Ort gab und in dem die Einwohner ihr Brot gebacken haben. Sobald das Brot fertig war wurde in der Resthitze der Bräter mit den „Backesgrumbeere“ gebacken. Dies macht man heute natürlich im Backofen. Eine super Idee ist es zum Schluss noch mit einer Schicht Schmand zu bestreichen und zu überbacken. Gewürzt wird übrigens mit Salz, Majoran und Kümmel. Als Beilage gibt es dazu saure Gurken & Beete.

Das zweite Gericht ist die „Grumbeerbrieh“. Dies ist eine cremige gesäuerte Kartoffelsuppe, die mit einer Brühe aus ausgekochtem Bauchfleisch und viel Lorbeer zubereitet wird. Das überraschende daran ist, dass man direkt dazu einen frischen Apfel- oder Birnenkuchen isst.

Nach einer sehr entspannten Nacht hat es mich dann am nächsten Tag wieder an die Hänge des Rheins verschlagen. Und zwar habe ich mir die Weinbaudomäne Oppenheim angeschaut. Das spannende an einer Weinbaudomäne ist, dass sie staatlich ist und ihr primäres Ziel nicht die Produktion von Weinen ist. Hier werden Winzer aus- und fortgebildet und Forschung betrieben, aber natürlich auch Wein erzeugt und verkauft. Gerade die Forschung ist ein sehr spannender Aspekt. Es wird nämlich untersucht welche Auswirkungen verschiedenste Dinge auf die Produktion des Weins haben. Und das ganze nicht nur im Weinkeller, sondern auch im Weinberg. Über ihre Erkenntnisse informiert sie die Winzer und tauscht sich mit ihnen aus. Auch Winzer können sich mit ihren Problemen an die Weinbaudomäne wenden. Gerade der verantwortungsvolle Umgang mit dem Weinberg und die schonende Behandlung der Trauben ist ein sehr wichtiges Thema.

Gegründet wurde die Weinbaudomäne Oppenheim 1895 von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen. Sie bewirtschaftet aktuell 23,7 ha der besten Lagen entlang den Rheinterrassen. Auf ihnen werden über 30 verschiedene Weine produziert. Im alten herrschaftlichen Gebäude befindet sich der Sitz der Domäne und auch der Weinverkauf mit einem umfangreichen Tastingraum. Dort habe auch ich mich durch einige besondere Weine probiert. Hier habe ich dann auch erfahren, dass die Domäne Mitglied im VDP ist und einige Große Lagen bewirtschaftet. Zusätzlich ist sie auch führende Kraft bei der „Selection Rheinhessen“. Diese zeigt interessierten Genussmenschen die Vielfalt Rheinhessischer Weine in all ihrer Breite. Außerdem legen sie hier noch einmal besondere Qualitätsansprüche an den Wein und seine Produktion an.

Eine große Berühmtheit ist die Lage „Niersteiner Glöck“, sie ist nicht nur Deutschlands älteste Weinbergslage, sondern auch die einzige VDP Große Lage, die sich in Alleinbesitz eines Winzers befindet. Die Lage wird erstmals im Jahr 742 Urkundlich erwähnt. Sie ist 2,1 ha groß und ist komplett mit Riesling bestockt. Normalerweise entsteht hier ein Großes Gewächs des VDPs. Im Jahr 2017/2018 wurde hier aber auch ein sehr besonderer Wein hergestellt und zwar der Riesling G. Er ist der 1275 Jahre Jubiläumswein (742-2017). Dabei handelt es sich um einen spontanvergorenen Riesling, der mit etwas mehr Holzfass als das Große Gewächs ausgebaut wird.

Nach der Probe habe ich mir noch eine Flasche dieses besonderen Jubiläumsrieslings aus der Glöck geschnappt und bin für ein Picknick einkaufen gegangen. Mein Ziel war es ein Picknick im Weinberg zu machen und den Wein dort zu trinken, wo er gewachsen ist. Als Zutaten habe ich mir folgendes für das Picknick besorgt: luftgetrocknete Blut- & Leberwurst, getrocknete Aprikosen, Rauchmandeln, Cocktailtomaten und einen Spundekäs. Dazu noch eine Stange frisches Baguette und ich habe die Seele baumeln lassen. Besonders die Aromen der Wurst mit der Süße der Aprikose und dem Rauch der Mandel haben perfekt zu diesem genialen Riesling gepasst.

Nach dem Picknick habe ich mich dann schweren Herzens wieder auf den Heimweg gemacht. Im Gepäck hatte ich viele verschiedene Weine, viele schöne Eindrücke, jede Menge Fotos und ganz besonders viele Erinnerungen an wunderbare Gespräche und nette Menschen. Ich denke in mir hat Rheinhessen einen neuen Fan gefunden und ich freue mich schon sehr darauf wenn ich wieder hierhin zurück kommen kann.

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Dieser Artikel ist nach einer Pressereise für die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH entstanden. Auf Inhalt des Artikels wurde kein Einfluß genommen.

1 Kommentar zu "Kulinarische Spurensuche in Rheinhessen, Orange Wines und zwei große Weinbergslagen"

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